Airberlin: Es war mir eine Ehre

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Das Thema Air Berlin geht seit dem 15.08.2017 steil durch die Medien. An diesem Tage hat der rotweisse Flugbetrieb einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin eingereicht. Was danach alles geschah, auch unter Beteiligung der Politik und Unternehmen wie Lufthansa/Eurowings, das Bieter Gezerre, all das will ich hier nicht nochmal nachreichen.

Waren es vor Jahren noch die Schleckerfrauen die unter einer Insolvenz leiden durften, sind nun die "Airberliner" dran. Und diese werden von Lufthansa / Eurowings nicht im Sinne eines Betriebsübergangs übernommen. Zu welchen Bedingungen die Kollegen aus der Kabine nun bei Eurowings Deutschland oder der Billigschwester Eurowings Europe in Österreich unterkommen, dazu fehlen mir einfach alle Informationen.

Noch härter trifft es die "Agenten". Ein ehemaliger Kollege, hat sich via Facebook entsprechend geäussert. Ich habe mir mal die Freiheit genommen, seinen Artikel hier reinzupacken. Bitte schön. Das Wort hat nun Ibrahim Er Rahhaoui:


Die vergessenen Agenten

Sie sind überall, nur nicht sichtbar. Eine Abfertigung ohne „Agenten“ wäre in der deutschen Luftfahrt undenkbar. Check-in Agenten, Rampagenten, Operators, Dokumentenprüfer, Caterer, Cleaner, Sicherheitspersonal, Servicekräfte für bedürftige Passagiere, alle diese waren als Agenten für die Air Berlin beschäftigt. Jedoch nicht bei der Air Berlin. Ein feiner Unterschied mit gravierenden Folgen. Sogar Flugbegleiter in denselben Uniformen wie das Stammpersonal der Airline wurden „outgesourct“ um Kosten einzusparen. Für den gewöhnlichen Fluggast zu komplex um es zu verstehen. Legale und gewollte Verschleierung! Kein Einzelfall in der Luftfahrt. Sie haben so gute und authentische Dienste geleistet, dass es nicht mal den meisten Passagieren aufgefallen ist, dass die Agenten im Auftrag der Airline standen.

Nun wurde Air Berlin beerdigt und rund 8000 ehemalige Beschäftige sind größtenteils orientierungslos auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Tragisch, unmoralisch und unwürdig!

Doch es gibt auch eine weitere tragische Geschichte hinter der Geschichte, nur kaum jemand nimmt Notiz davon. Mehrere tausend Menschen in unserem Land stehen gerade vor einer ungewissen und existenzbedrohenden Zukunft. Nicht wenige (Sub-)Unternehmen hatten die Air Berlin als einzigen Großkunden, und hingen somit de facto schon immer am Tropf der insolventen Fluglinien.

Doch spätestens seit dem 27.10.17 ist diese finanzielle Nabelschnur gekappt. Die genaue Zahl der Betroffenen lässt sich bundesweit nicht wirklich ermitteln, da große Teile der Abfertigung aus Gründen von Kosteneinsparungen „outgesourct“ wurden. Es konnte daher vorkommen, dass ein Subunternehmen auf Mitarbeiter von Leihfirmen zurückgreifen musste, um den hohen Bedarf an Fluggastaufkommen in der Saison zu decken.

Es gibt nichts Schlimmeres für einen Menschen als die Ungewissheit. Sie zerstört von innen, raubt Mut, Hoffnung und Lebensfreude. Ich kenne sie höchstpersönlich! Wundervolle und ehrgeizige Menschen, Mütter, Väter, Alleinerziehende, Witwer, Studenten oder einfach nur Agenten die ihren Job lieben, und nun nicht mehr weiter wissen, weil sie keine Antworten auf ihre Fragen

erhalten. Niemand fühlt sich für sie zuständig. Sie standen buchstäblich im Schatten der Berichterstattung über die zweitgrößte Airline Deutschlands. Die medialen Spotlichter konzentrierten sich zunehmend auf das Firmen-Logo: AB. Niemand schaute einfach hinter dem Vorhang... Für die Agenten, der größte Verrat an ihrer Tätigkeit.


Nun danke für diesen Artikel lieber Ibrahim, damit ist so ziemlich alles gesagt. Ich bin seit März 2014 am Flughafen im Einsatz, weiss daher sehr genau wie viel Leidenschaft und Identifikation mit die Kollegen in Sachen Airberlin an den Tage legten. Allein die Leere am Airport, die durch den Wegfall der Ablüge leeren Flugsteige vor allem das Terminal B und morgens gegen 10:0 das Terminal C am Flughafen Düsseldorf lassen erahnen wie das trifft. 

 

Ich habe nun nur dreieinhalbjahre AB abfertigen dürfen. Erlebt hatte ich sie vorher schon als Passagier. Geflogen bin ich vielfach mit LTU, dba und eben AB.
Es fühlt sich an als wäre ein guter Bekannter gestorben. Ruhe in Frieden liebe AB. Und alles gute an die Kollegen aus der Luft und vom Boden!

F-22 Raptor Ken Works

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Last modified onFriday, 01 December 2017 16:45
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